Historisches

Der erste Zwickauer Flugplatz – wenn man ihn als solchen überhaupt bezeichnen kann – befand sich auf dem Exerzierplatz der hiesigen Garnison in Helmsdorf. Diese Gemeinde, selbst Zwickauer Bürgern kaum bekannt, hatte ihre Fluren zwischen Dänkritz, Oberrothenbach und Niederhohndorf (auf dem Gebiet des späteren Wismut-Schlammteichs).

Der am 26. April 1909 gegründete „Verein für Luftfahrt und Flugwesen“ führte dort bis 1914 Fahrten mit dem eigenen Heißluftballon, namens „Zwickau“ durch. Sogar die Flieger des „Sachsenrundfluges“ landeten am 30. Mai 1911 in Helmsdorf. Früh gegen 4:30 Uhr legten die drei noch verbliebenen Flieger Laitsch (der spätere Sieger), Büchner und Lindpaintner eine halbstündige Pause ein. Sie befanden sich auf dem Flug von Plauen nach Chemnitz. Tags zuvor hatten tausende Zwickauer umsonst auf die Flieger gewartet.

Etliche Passagiere stiegen am 6. Juli 1913 in die Gondel des Zeppelins LZ „Sachsen“, um an einem Rundflug teilzunehmen. Dr. Hugo Eckener persönlich steuerte das Luftschiff über Werdau – Zwickau – Bockwa – Wilkau – Kirchberg – Schneeberg – Aue – Oelsnitz – Lugau – Lichtenstein – Glauchau und zurück nach Helmsdorf.

Entsprechend den Bedingungen des Versailler Vertrages mußte 1920 die Flugzeughalle jedoch abgerissen und der Flugverkehr eingestellt werden. Der nach dem 1. Weltkrieg neugegründete „Zwickauer Verein für Luftfahrt und Flugwesen“ bemühte sich, in Zwickau einen neuen Flugplatz anzulegen. Am 1. April 1926 pachteten die Flugenthusiasten für zwölf Jahre das entsprechende Gelände von Kommerzienrat Otto Schmelzer in Lichtentanne. Die offizielle Adresse für den Flugplatz lautete jetzt „Reichenbacher Straße 129“.

Als erstes privates Flugzeug steuerte die Maschine des Weltkriegsfliegers Alfred Thomä, der ab 1930 die Flughafen-Gastwirtschaft von der Union-Brauerei pachtete, den Flugplatz an. Am 2. Mai 1927, um 12:00 Uhr, landete das erste Verkehrsflugzeug auf dem Zwickauer Flugplatz. Es war eine Junkers F 13 mit fünf Passagieren an Bord. Zunächst bediente man die Linie Nürnberg/Fürth – Bayreuth – Hof – Plauen – Zwickau – Leipzig.

Die Nordbayerische Verkehrsflug GmbH flog 1930 auch von Nürnberg über Zwickau, Chemnitz, Dresden bis nach Stettin. Die Flugzeuge aus Bayern landeten gegen 10:30 Uhr, die aus Leipzig um 16.30 Uhr. Die Gesellschaft beflog die Linien von Mai bis November, so wie es das Wetter zuließ. Mit 285 ankommenden und 455 startenden Fluggästen pro Jahr nahm Zwickau von 79 deutschen Flugplätzen die 30. Stelle ein.

Am 27. Juni 1928 wurde die Zwickauer Flugplatz GmbH gegründet. Die Stadt gab zum Ausbau des Flugplatzes und der Halle einen Zuschuss von 20.000 Reichsmark. Zu den Flugtagen, die nun fast jedes Jahr stattfanden, fand sich regelmäßig ein großes Publikum ein. So kam am 16. Oktober 1932 sogar eine viermotorige Junkers G 38 nach Zwickau. Die Maschine konnte jedoch nicht landen, da der Flugplatz nicht für dieses Großflugzeug konzipiert war. Die G 38 war 1938 das größte zivile Landflugzeug der Welt. Ihre vier Motoren besaßen zusammen eine Leistung von 3.200 PS. Das Flugzeug konnte bis zu 40 Passagieren befördern.

Ende Oktober 1934 stellte die Deutsche Verkehrsflug AG, die am 1. Januar 1931 den Flugplatz übernommen hatte, den flugplanmäßigen Linienbetrieb an der Reichenbacher Straße ein, obwohl die Stadt zur Unterhaltung der Fluglinie und zum Bau von Werkstatt und Gaststätte seit 1927 insgesamt 122.000 RM beigesteuert hatte. Am 12. Mai 1944 war auch der Flugplatz, auf dem seit 1938 das „Flugzeugreparaturwerk Gustav Basser“ etabliert war, Ziel von amerikanischen Bomben. Das Werk wurde zerstört und die unterirdischen Hallen 1947 schließlich gesprengt.

Im Frühjahr 1953 begann man, den Flugplatz wieder herzurichten. Trümmer mussten beseitigt, Bombentrichter verfüllt werden. Mit einem alten Schulgleiter SG-38 nahmen einige Flugbegeisterte den Flugbetrieb wieder auf. Der seit 1. März 1957 durchgeführte Motorflugbetrieb durch die „Gesellschaft für Sport und Technik“ musste 1973 wegen des Fluglärms zum nahen Wohngebiet Neuplanitz verlegt werden. Deshalb kamen in den Folgejahren nur noch Segelflugzeuge zum Einsatz.

Trotzdem wurde der Flugplatz Zwickau zu einem Bezirksausbildungszentrum der GST und entwickelte sich auch zu einem Mittelpunkt des DDR-Flugsports. Die DDR-Meister Klaus Weck und Jürgen Burmeister stammen aus unseren Reihen. Auch die letzte DDR-Meisterschaft im Segelflug wurde in Zwickau ausgetragen.

Nach der politischen Wende gründeten die Zwickauer Segelflieger 1990 den Aero-Club Zwickau e.V. unter Vorsitz von Gerhard Grundke. Im Jahre 1989 wurde – mittlerweile unter Clubchef Joachim Lenk – eine zweite große Motorflughalle errichtet. Derzeit wird über eine befestigte Piste diskutiert.

Quelle: Udo Hentschel/Norbert Peschke

Seit dem Jahr 2000 hat sich der AERO-CLUB einen Namen als Ausrichter von Segelflugwettbewerben gemacht. Bereits zehn Deutsche Meisterschaften und zwei Qualifikationswettbewerbe wurden seither durchgeführt.

Die Werkstatt des Flugplatzes aus den 1950er Jahren war so baufällig, dass sie 2017 endgültig gesperrt und abgerissen werden musste. Im Rahmen der Fördermittelbewilligung und der dafür notwendigen Verlängerung des Pachtvertrages um 25 Jahre entbrannte ein Streit in der Politik, ob der Flugplatz in ein Gewerbe- und Industriegebiet umzuwandeln sei. Letztendlich entschied sich der Stadtrat für den Flugplatz und die Fördermittel des Freistaates Sachsen konnten bewilligt werden. Im Frühjahr 2018 konnte die neue Werkstatt eingeweiht werden.

Im Winter 2024/25 wurde auch die Start- und Landebahn mithilfe von Fördermitteln des Freistaates Sachsen ertüchtigt. Es wurden Rasengitterplatten aus Kunststoff eingebaut, welche einen Betrieb auch bei Nässe ermöglichen und die Oberfläche deutlich stabilisieren.

95 Jahre Flugplatz Zwickau

Ein Text von Udo Hentschel

Der Flug- und Landeplatz Zwickau ist mit fast 15.000 Starts und Landungen wohl der meist frequentierte seiner Art im Freistaat. Mit der Verlängerung des Pachtvertrages im Juni 2016 mit der Stadt Zwickau über weitere 25 Jahre wird sich daran auch nicht viel ändern. Die Geschichte in der Gemeinschaft der Flug- und Landeplätze begann allerdings schon am 1. April 1926. Daher lohnt sich auch einmal ein Blick ins unmittelbare vogtländische, ostthüringische und sächsische Umfeld.

Seit nunmehr 95 Jahren gibt es ein Landen und Starten an der Reichenbacher Straße. Die ersten Zwickauer „Aktivitäten im Flugwesen“ führen allerdings auf das Areal des Exerzierplatzes des 9. königlich sächsischen Infanterie-Regimentes Nr. 133 in Helmsdorf zurück. Der sich am 26. April 1909 dort gegründete „Verein für Luftfahrt und Flugwesen“ veranstaltete mit dem eigenen Heißluftballon „Zwickau“ Fahrten in der Region. Die in den darauffolgenden Jahren entstandenen Gebäude fielen dem 1919 in Versaille geschlossenen Gewaltfriedens-Vertrag mit Deutschland zum Opfer, der auch den Rückbau oder Abriss allen möglichen dem Militär dienenden Einrichtungen beinhaltete. Trotzdem blieben die „Flugjünger der Muldestadt“ als Verein bestehen und bemühten sich, einen neuen Flugplatz anzulegen. Am 1. April 1926 pachtete er das dem Lichtentanner Kommerzienrat Otto Schmelzer gehörende Grundstück, das auch als Schmelzer-Wiesen bekannte Gelände an der Reichenbacher Straße 129.  

Es war die „Gründer-Zeit“ des Flugwesens in Sachsen. In diese Jahre fallen auch die ersten Aufzeichnungen zum Chemnitzer Flughafen Jahnsdorf (am 4. Mai 1926 feierlich eingeweiht), des Flugplatzes Großrückerswalde unterhalb der „Drei Brüder Höhe“, von Taucha und von Pirna-Praschwitz (1928). Rund um Zwickau wurden Gera-Leumnitz / -Tinz (1926), Jena-Schöngleina (1929) und Sprossen-Zeitz zu Heimstätten der Fliegerei, war der Verkehrslandeplatz Plauen-Kauschwitz (1927) sogar im Netz der Lufthansa eingebunden. Schon wesentlich früher (1914) sind zwei weitere Flugplätze bei Plauen (Kobitschwalde und Reißig) genannt. Ein Großteil der vorab genannten Einrichtungen wurde als Segelflugplatz gegründet und besteht so noch heute bzw. wieder.

Dass das Militär eine bedeutende Rolle beim Auf- und Ausbau des Flugwesens hatte, bleibt unbestritten. So können Leipzig-Altenburg, einer der ältesten Fluglandeplätze Deutschlands (1916 Sitz einer Fliegerersatzabteilung), Kamenz (1911), Großenhain (seit 1914), die Fliegergarnison und Flugzeugführerschule Oschatz (1936) auf eine „Armee-Karriere“ zurückblicken. Interessant insbesondere dabei der Flugplatz Brandis-Waldpolenz. 1934/1935 erbaut, diente er unter anderem als Erprobungsplatz der Junkers AG Dessau. Hier wurde das Experimentalflugzeug Sack AS-6 (ein kreisförmiges „Nurflügelflugzeug“ – die sog. Reichsflugscheibe), das zweifelsohne dem heutigen Tarnkappen-Bomber angelehnt scheint, getestet.

Die „Militärgeschichte“ des Zwickauer Flugplatzes ist eine ganz andere. Seit 1938 befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft das „Flugzeugreparaturwerk Gustav Basser“. Der Neubau verfügte über unterirdische Hallen, in denen überwiegend Focke-Wulf Fw 190 und die Fieseler Storch repariert wurden. Auch die „Ein-Nordung“ der Maschinen und das Einvisieren der Bordbewaffnung erfolgten auf diesem Areal. Vom Flugplatz aus traten sie dann direkt den Weg in die jeweiligen Frontverbände an. Nach der Bombardierung und der weitestgehenden Zerstörung der Anlage (letzter Zeitzeuge auf dem Flugplatzareal war bis vor einigen Jahren noch ein Bombentrichter unmittelbar an der Kreuzung Reichenbacher / Neuplanitzer Straße) wurde im Frühjahr 1953 begonnen, den Flugplatz unter strengen Auflagen wieder funktionstüchtig zu machen. Den Anfang wurde mit einem alten Schulgleiter SG-38 gemacht. Die GST hielt im März 1957 Einzug und bis 1973 hatte hier sogar eine erfolgreiche Motorkunstflugstaffel ihr Zuhause. Doch was heuer wegen eines einmal im Jahr ausgetragenen Flugplatzfestes den einen oder anderen stört, führte wegen „andauernden Fluglärms im benachbarten Neuplanitz“ zum Aus des Motorkunstflugs.

Inzwischen hat sich der Flug- und Landeplatz längst wieder für den Geschäftsbetrieb etabliert. Auch Lehrgänge und Gästeflüge starten ab der Reichenbacher Straße. Das mittlerweile avisierte 20. und stets begeistert aufgenommene Flugplatzfest – bei dem auch ehemalige im Militär eingesetzte Flugzeuge zu Gast sind – beweist das immer noch oder sogar gestiegene Interesse an flugtechnischer Ingenieurkunst vergangener Jahre. Seit den fliegerischen Anfängen war und ist in Zwickau jedoch der Segelflugsport zu Hause. Ob seiner Größe und tollen geographischen Lage und den damit verbundenen guten thermischen Gegebenheiten war und ist der Flugplatz (in den vergangenen Jahren so oft wie noch kein anderer) bereits Gastgeber mehrerer nationaler Meisterschaften. Nicht zuletzt verdankt er das der rührigen Arbeit des seit 1990 existierenden Aero-Clubs. Ein gewonnenes Image, das die Stadt bis dato nicht gerade ausreichend wahrgenommen hat.